
Ich, Ricarda, war nie ein Kneipengänger;
meine Eltern schon, in gewisser Weise.
Wenn sie uns zu Bett gebracht haben,
drehten sie noch eine Runde um den Block,
kehrten für ein Bierchen in ihrer Stammkneipe ein und gingen dann zu Bett.
Das kannte ich aus Erzählungen.
Papi verdiente sich ein paar Mark in einer Band.
Er spielte dort Banjo, vorsorglich unter seinem zweiten Namen Willi.
Und irgendwann erfuhr ich, dass Tante Mary die Schwester meines Großvaters mütterlicherseits ein Kneipe auf St. Pauli hatte, in der meine Eltern ab und zu verkehrten.
Meine Welt war das nie.
Durch den Wandsbeker Bothen hat sich das geändert.
Ich habe inzwischen viel gelernt über unsere Kneipenkultur,
die Menschen, die Kneipen besuchen, was sie bewegt und
welche Schicksale sich in ihren Biografien tummeln.
Es mag auf diesem Planeten viele langweilige Menschen geben.
In der Kneipe trifft man die anderen.
Ich bin immer wieder überrascht, was mir Menschen in der Kneipe erzählen.
Jede einzelne Geschichte wäre es wert aufgeschrieben zu werden.
Ob es dazu jemals kommt, werden wir sehen.
Ich habe das große Glück in einer Kneipe gelandet zu sein,
die nicht nur urgemütlich ist, sondern auch immer wieder
zu herzlichem Lachen einlädt.
Gestern zum Beispiel, kam ein Gast herein, der Urlaub in Ägypten gemacht hatte.
Wir kamen ins Gespräch und er hat sich in der Nähe unseres Freundes (in Ägypten) aufgehalten, den ich an dieser Stelle ganz lieb grüße.
Dieser Gast hatte ein Gastgeschenk
für die Kneipe:
Alle, denen ich das bisher gezeigt habe,
fanden das banal, denn sie glaubten,
das sei ein Likör.
Als ich jedoch erklärt habe, dass es sich um ein neues ägyptische Geschäfts-Modell handelt, bei dem Wüstensand
eingefärbt, in Flaschen abgefüllt und
mit Wunsch-Logo versehen wird, kamen sie aus dem lachen nicht mehr raus.
Wir werden unseren Freunden das Foto schicken.
Die Wüste in Flaschen zu füllen und Touris glücklich machen,
das ist doch mal eine ganz neue Handelsbeziehung.
Nicht einmal die Schildbürger hätten einfallsreicher sein können.
Margit Ricarda Rolf
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